Die Übersicht in einer Bilddatenbank zu wahren, bleibt Lebensaufgabe eines engagierten Hobbyfotografen. Die besten Fotos versinken schnell in der Masse belichteter Filme und digitaler Daten, wenn sie nicht gleich zu Beginn ihrer Entstehung einem sinnvollen Archivierungssystem zugeführt werden, um jeder Zeit auffindbar zu bleiben.
Dazu möchte ich im zweiten Teil meiner Reihe über das Digitalisieren Deiner analogen Schätze berichten, Dir ein paar Tipps geben und vor allem erläutern, wie Du dazu einen Flachbettscanner mit Duchlichteinheit, den Epson Perfection V850 Pro zum Beispiel, bestens einsetzen kannst. Wir werden uns zudem die dafür zur Auswahl stehenden Scan-Programme auf Deinem PC oder Mac etwas genauer ansehen.
Der Leuchttisch ist für mich unverzichtbar, in der analogen wie in der digitalen Bilderwelt
Der Leuchttisch hat noch lange nicht ausgedient. Nicht der klassisch analoge und schon garnicht der moderne digitale. Kommt ein belichteter Film frisch entwickelt aus dem Labor zurück, ist der erste Gang zum in meiner Arbeitsfläche fest eingebauten Leuchttisch, um mit der Lupe die Bildergebnisse zu analysieren und zu bewerten. Im nächsten Gang meines Workflows erfolgt die Digitalisierung der Filme mit dem Epson Perfection V850 Pro, dann wird der unverzichtbare Leuchttisch digital.
Damit der Leuchttisch an Deinem Computer-Bildschirm digital sichtbar werden kann, empfehle ich, zunächst von dem kompletten Film kleine Index Dateien zu erzeugen und zwar auch von den Motiven bzw. Varianten eines Motivs, die für eine Veröffentlichung nicht erste Wahl sein werden. Ich schließe sogar den vermeintlichen Ausschuss (Fehlbelichtungen, verwackelte, unscharfe Bilder usw.) mit in den Index ein. Denn ich möchte einen Überblick über den kompletten Film haben. Genauso, wie aus dem Zeitalter ausschließlich analoger Fotografie der klassische Kontaktabzug überliefert ist. Als Auflösung stelle ich bei Kleinbild 300 dpi bei einer Größe von 10 x 15 cm in der Scan-Software ein; die kleinen Index-Dateien nehmen je nach Bildmodus schwarzweiß oder Farbe zwischen 1 und 4 MB als tiff-Dateien auf der Festplatte ein. Sie sind dennoch detailreich genug, um aus dieser Vorschau eine Qualitätsbeurteilung ableiten zu können.
Die Vorschaufunktion im Scan-Programm erfasst erst einmal die komplette Scan-Fläche Deines Flachbettscanners und liefert sozusagen einen virtuellen Leuchttisch. an diesem bestimmst Du für jedes Bild den exakten Ausschnitt, der gescannt werden soll. Ich empfehle, für Index-Scans stets das vollständige Bild mit einem leichten Rand zu erfassen. Ferner nimmst Du die Benennung Deiner Indexdateien vor, die in der Regel in allen Scan-Programmen teilautomatisiert unterstützt wird.
Bildkorrekturen im Scan-Programm oder nachgelagert in meiner Bildbearbeitung unterlasse ich bewusst. Ich möchte die Inbdexbilder so gut oder so fehlerhaft erkennen können, wie sie auch tatsächlich sind.
Den Überblick behalten: Ordner und Dateien systematisch benennen
Eine Nomenklatur für die Benennung der Indexdateien, wie auch später für die High End Scans sollte man sich sorgfältig überlegen und am besten die Syntax notieren. Ich führe hier gerne mein Schema beispielhaft an, dass sich am Aufnahme-Datum des ersten Bildes eines Films orientiert, gleichgültig, wie lange der Film weiterhin in der Kamera bis zu seiner vollständigen Belichtung verbleibt. Schau Dir auch die bewußt im Dateinamen eingefügten Leerzeichen zur besseren optischen Strukturierung an. Das aber unter Vorbehalt: Letztendlich solltest Du Dir Deine eigene Ordnung zurecht legen und dann auch konsequent durchziehen.
Bei der Ablage der Bilddaten ist eine überschaubare, durchgehende Ordner- und Datei-Struktur hilfreich, um den Überblick in Deinem stetig wachsenden Archiv zu wahren. Hier ist, aus der analogen Bildwelt kommend, viel Handarbeit angesagt.
Für die Ordner-Struktur empfehle ich einen Hauptordner mit den Unterordnern der Indexdateien anzulegen, den bei mir sogenannten Filmcontainern. Und einen weiteren Hauptordner für die High-End-Scans, ebenfalls mit Filmcontainern als Unterordner. Diese Container enthalten natürlich nur eine kleine Auswahl der besten Ergebnisse, dafür aber mit üppigen Datenvolumen; je nach gewählter Scan-Auflösung. Nochmals zur Erinnerung: Bei Schwarzweiß scanne stets mit 16 Bit Graustufen, bei Farbe 48 Bit RGB, um ausreichende Reserven für das Finetuning Deiner Bilder bei der Bildbearbeitung zu haben (siehe Teil 1).
Ich rate sehr davon ab, Dateinamen zu verwenden, die in einem Zusammenhang mit den Bildinhalten stehen – das endet sehr schnell im Nirwana. Bildinhalte werden über die Metadaten der Bilddateien adressiert.
Der Leuchttisch wird digital
Und wo ist jetzt der digitale Leuchttisch? Dazu hast Du jede Menge Auswahlmöglichkeiten an innovativen Bildverwaltungen, kostenpflichtige, wie kostenlose. Die Standard Datei-und Bilddarstellungen der Betriebssysteme reichen auf die Dauer für eine ordentliche Organisation eines großen, wachsenden Bildarchivs nicht aus. Ich rate Dir, die eine oder andere Bildverwaltung ausgiebig zu testen, bevor Du Dich entscheidest. Dies insbesondere im Hinblick auf das Auffinden von Bildern in Deinem großen Archiv. Dazu dient die sinnvolle Vergabe von individuellen Metadaten, wie Motivbeschreibung, abgebildete Personen, Hinweise zur Aufnahmequalität, ggf. verwendetes Filmmaterial. Weitere Metadaten können sein Aufnahmeort, Aufnahmeobjektiv, Blende, Belichtungszeit, div. Kameradaten usw., die Dir von einer Digitalkamera in der Regel frei Haus mitgeliefert werden, Du aber bei Deinen digitalisieren analogen Bildern händisch nachtragen müsstest.
Ich zeige Dir zwei Bildverwaltungeen, die ich auf meinen Macs verwende:
xnViewMP ist open source, solange Du es für Deine privaten Zwecke nutzt, Firmen müssen eine kostenpflichtige Lizenz erwerben. Das Programm gibt es für Windows, macOS und Linux. Es glänzt mit einer ausgeklügelten Funktion zum Anlegen und Verwalten von Metadaten. Eine intensive Einarbeitung tut Not, unterstützt wirst Du dabei von einem umfassenden Wiki in englischer Sprache.
Fotos von Apple ist auf jeden Mac vorinstalliert und lässt sich mit Deinem iPhone oder Deinem iPad synchronisieren; das ist seine eigentliche Stärke. Bei Deiner großen Bilddatenbank ist aber die vollständige Synchronisation aller Daten mit Deinen mobilen Devices nicht ratsam – allenfalls beschränkst Du Dich auf eine exklusive Auswahl Deiner gescannten Schätze, mit geringen Dateigrößen. Fotos ist für andere Betriebssysteme nicht verfügbar. Die Einarbeitungszeit ist kurz, die Benutzeroberfläche ist Apple-like intuitiv.
Die Programme sind meist mit Editoren rudimentärer Bildbearbeitungsfunktionen ausgestattet, mit denen Du Deine Bilder direkt in der Bildverwaltung bearbeiten kannst. Ich rate zumindest bei Deinen gescannten Schätzen davon ab, diese zu benutzen, das kann Deine Bildbearbeitung weit aus besser.